In der griechischen Mythologie ist es Hephaistos, Sohn des Zeus und der Hera, der der mächtige Gott des Feuers und der Schmiede wurde. Die Römer nannten ihn „Vulcanus“, und auch im germanischen Raum hatten die Feuerkundigen eine besondere Macht: Sie repräsentierten den entscheidenden Evolutionsschritt der frühen nomadisierenden Gesellschaften hin zur Sesshaftigkeit, zur Beherrschung des Feuers und damit in jeder Konsequenz das Überleben und die Entwicklung der Menschheit. Die Kontrolle des Feuers steht für Wärme, Nahrungszubereitung, Konservierung – und die
Bearbeitung der Werkzeuge, Gerätschaften und Waffen. "Feuerfest" bedeutet, dass ein Material bei Temperaturen ab ca. 600 °C bis ca. 1.700 °C eingesetzt werden kann. Solche Hochtemperaturprozesse (Schmelzen, Brennen, Formgebung) sind den Menschen schon seit der Bronzezeit bekannt. Frühe Zeugnisse von Kunst und Architektur aus der ganzen Welt belegen direkt oder indirekt ein erstaunlich hohes Niveau der Feuerfesttechnologie. Aber erst die Industrialisierung des 18. bis 20. Jahrhunderts hat die Erkenntnisse über die verschiedenen Prozesse, Verfahren und Wirkungen beschleunigt und in großem
Umfang anwendbar gemacht. Der rasante Anstieg des Zementbedarfs weltweit und die wachsenden Anforderungen der Stahlindustrie bedeuten für die Feuerfesttechnik ständig neue Herausforderungen: Aus tonerde- und magnesitreichen Grundstoffen und Mineralien werden Steine, Massen und Formkörper entwickelt, die exakt an die zu verarbeitenden Materialien, Temperaturen und Prozesse angepasst sind. Mit dieser Basistechnologie werden moderne Zementdrehöfen oder Metall-Schmelz- und Gießanlagen mit hochspezialisierten feuerfesten Auskleidungen weltweit ausgerüstet.
Heraus aus dem Mythos – mitten hinein in Mineralogie, Chemie und Ingenieurskunst: Refratechnik ist der Dreh- und Angelpunkt des Fortschritts.